Pforzheim-Enzkreis: Europa: Wir müssen reden

„Europa: Wir müssen reden“ – gut besuchter Diskussionsabend mit Staatsminister Gunther Krichbaum

Europa steht unter Druck – durch Desinformation, Kriege und Konflikte. „Wir müssen reden“, sagte Dr. Sunita Vimal, Vorsitzende des Kreisverbands, in ihrer Begrüßung und verglich Europa mit einem Ehepaar, das eine Paartherapie brauche. Gesprächspartner war am 16. Juli Gunther Krichbaum, Bundestagsabgeordneter für Pforzheim und den Enzkreis, viele Jahre Vorsitzender des Europa-Ausschusses des Bundestages und seit 2025 Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt. Im mit rund 80 Menschen gut gefüllten Sitzungssaal des Landratssamts saßen viele junge Leute, die reichlich Fragen an den Staatsminister hatten. Fragen, die sie auf Zetteln notierten und die anschließend von Anna-Lena Beilschmidt und Jürgen Hörstmann, Europabeauftragte der Stadt Pforzheim und des Enzkreises, strukturiert an den Referenten weitergegeben wurden.

Schon mit seinem Eingangsstatement zur EU im allgemeinen sorgte Krichbaum für viele Nachfragen. Die häufigste: ob man sich wohl je vom Einstimmigkeits-Prinzip verabschieden werde, das schnelle Reaktionen oft unmöglich mache. Kaum, lautete die Einschätzung – denn gerade die kleineren Mitgliedsländer könnten sonst leicht überstimmt und übergangen werden.

Der weitere Abend gliederte sich in drei Teile: Sicherheit und Frieden, digitale Souveränität sowie Demokratie unter Druck. Beim Thema Frieden beschäftigte viele die Frage, ob man Angst vor der Zukunft haben müsse (Antwort: „Ein klares Nein!“) und wie eine europäische Verteidigung aussehen könne. Zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz warnte der Staatsminister vor Fake News und den Versuchen von Wladimir Putin, Einfluss auf Wahlen in Deutschland und anderen Ländern zu nehmen. Er hob hervor, wie wichtig es sei, sich nicht auf die USA oder China zu verlassen, und lobte den im Aufbau begriffenen IT-Campus in Bad Freidrichshall bei Heilbronn, der ein wichtiger Baustein hin zu mehr Unabhängigkeit sein werde.

„Früher hat es gereicht, für die Demokratie zu sein, heute müssen wir für sie kämpfen,“ sagte der Staatsminister beim Abschluss zum Thema „Demokratie unter Druck“. Sich für Europa einzusetzen lohne allemal, rief er vor allem den jüngeren Teilnehmenden zu, denn ein besserer Kontinent falle ihm nicht ein: „Ihr habt alle Trümpfe in der Hand, ihr müsst sie nur noch spielen.“

Fotoquelle: Enzkreis, Fotografin Stefanie Frey