Nikolas Knoblauch ist nicht nur ein talentierter Autor sondern auch ein bekennender Europäer. Als Mitglied der Europa-Union, sowie der Jungen Europäischen Föderalisten hat er zuletzt sein Buch bei der Mitgliederversammlung des Verbandes vorgestellt und dabei einmal mehr auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen Europas hingewiesen.

Daniel Frey, Kreisvorsitzender Europa-Union KV GP

Friedel, der spätere Kaiser Barbarossa, ist väterlicherseits zwar ein Staufer, aber mütterlicherseits ein Welfe. Er vereint beide Blutlinien. Aber beide Adelshäuser sind heftig miteinander verfeindet.

In Hannes, dem Küchenjungen findet Friedel, der spätere Barbarossa, fortan einen Freund und Vertrauten, der ihm stets zur Seite steht. Zuweilen begleitet Friedel seinen Vater auch nach Giselingen zu den Helfensteinern und nach Ulma in die Königspfalz, wo er in die Wirren der damaligen Zeit gerät und erlebt, wie die Menschen in der Umgebung überfallen und getötet werden. Die Kleinstaaten der damaligen Zeit führten ständig untereinander Kriege und Auseinandersetzungen.

König Konrad, der Bruder von Friedels Vaters, schickt Friedel nach Dänemark zur Ritter-Ausbildung, in der Hoffnung, dass er als Verbindung zwischen den Staufern und Welfen, später die Einigung und den Frieden bringen kann.

Aus „Stauferkind – Friedel, der Junge vom Hohenstaufen“ aus dem Kapitel „Königlicher Besuch“ mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Manuela Kinzel Verlages ISBN 978-3-95544-074-9

 „Königlicher Besuch“

Als Artes mich kommen hörte, drehte er den Kopf. „Friedrich, du?“ Der Falkner stand mit dem Rücken zu mir. „Woher, wusstest du, dass ich es bin?“, fragte ich ihn erstaunt. „Nicht ich, Artes hat dich gehört, Herr! Er erkennt euch am Schritt.“ Da saß er, mein Gerfalke auf einem Holzblock. An seinen Füßen waren Bellriemen mit kleinen Bellen, ihr würdet heute wohl Glöckchen sagen. Er war wunderschön und strahlend weiß. Ich nahm ihm seine Haube ab und streichelte ihm vorsichtig über die Federn. Das schien ihm zu gefallen, denn er drückte seinen Kopf an meine Finger. „Na, mein Artes, wie ist es dir während meiner Abwesenheit ergangen? Es ist an der Zeit, dass wir wieder zusammen jagen gehen.“ Ich nahm ihn auf meine Hand.

„Dachte ich mir, dass ich euch beide hier finde. Ein Junge und sein Beizvogel!“, hörte ich plötzlich hinter mir die Stimme des Königs. „Ein schönes Bild!“ Er sah Artes an. „Ja, diesen Vogel habe ich deinem Vater geschenkt.“

„Ja, ich weiß. Deshalb war Vater auch ziemlich sauer, als er sich verletzt hat.“ Der König lächelte. „Ja, so kenne ich meinen Bruder. Ein Heißsporn. Zum Glück hast du mehr von deiner Mutter. Du scheinst mir ausgewogener zu sein.“ Er versuchte Artes zu kraulen, was dieser ihm übelnahm und ihn in den Finger biss. „Artes!!!“ rief ich laut, „Du kannst doch nicht den König beißen!!!“

„Schon gut, er kennt mich ja kaum. Weißt du, Friedrich, dass die Falknerei aufgrund der benötigten Kombination aus Willensstärke und Fürsorge eine ideale Vorübung für die Führung von Menschen ist? Ein guter Falkner ist meist auch ein guter Herrscher. Diese Vögel wissen genau, wem sie gehorchen. Sie brauchen die ideale Mischung aus Strenge und Milde. Wer einen Greifvogel beherrschen kann, der ist auch in der Lage die Menschen zu beherrschen und sie zu führen. Friedrich, ich möchte, dass du nach Dänemark gehst, um dort ritterliches Benehmen und den Dienst an der Waffe zu erlernen. Auch der dänische Königshof hat einen Sohn in deinem Alter. Die Bischöfe nehmen Einfluss, damit auch die Welfen ihre Söhne dorthin schicken. Versuche sie zu studieren und lerne ihre Schwächen und auch Stärken kennen. Wer seinen Gegner kennt, kann ihn besser kontrollieren. Denn du wirst auf ihr Wohlwollen angewiesen sein und eines Tages soll in den deutschen Landen Frieden herrschen. Wenn du es nicht schaffst, der du beide Blutlinien vereinst...“ Er wandte sich traurig ab. Dann sah er mir fest in die Augen. „Es ist deine Mission, Friedrich und es wird eines Tages von dir abhängen, beide Häuser zu vereinen.“ Er machte eine kurze Pause. „Danach wirst du zu mir kommen, um zu lernen. Ich verlasse mich auf dich, Friedrich. Gott schütze und führe dich“, sagte er bestimmt und sah mich abermals an. Dann wendete er sich um und ging.

Ich blieb mit Artes zurück. „Na, Artes, dann werden wir wohl ins Nordland gehen, wie der König wünscht. Weißt du, einem König darf man nicht widersprechen. Aber das ist nicht so schlimm, denn ich bin bei dir und wir haben Fleckle und Aramis, und Hannes und Galvant nehmen wir auch mit. Ich war nachdenklich geworden.

Unter der Obhut von Bischof Asker von Lund lernt der junge Friedel im entfernten Nordland – Erik Lam und Sven Grathe von Dänemark, und seinen Vetter Heinrich den Löwen, seinen späteren Mitstreiter kennen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten verbünden sie sich gegen einen Ritter, der ihnen das Leben schwermacht und werden dadurch zu einer starken Gemeinschaft, dem Bund der Helfanten, der auch im späteren Leben Bestand hat, um einander beizustehen.

Es gibt zwar keinerlei Beweise, dass der junge Barbarossa wirklich in Dänemark war, aber es gibt Belege, dass ein gewisser Sven Grathe aus Dänemark als Knabe ins Gefolge von König Konrad (also dem Onkel von Friedel) aufgenommen wurde, weshalb ich Friedel dann nach Dänemark schickte, so als eine Art „mittelalterlicher Schüleraustausch“. Sven Grathe wurde übrigens später dänischer König.

Auch gab es, historisch überliefert, Verbindungen zwischen den Dänen, den Staufern und den Welfen. 1156 unterstützte Heinrich der Löwe, Sven Grathe im Thronstreit gegen Knut V. Magnusson. Trotz dieser Unterstützung unterlag Sven Grathe und ging zu Heinrich ins Exil.

Ich denke, dass die junge Generation in Europa, -wie in „Stauferkind“ erzählt-, zusammenwachsen muss. Es muss ein Europa der Menschen werden, ein Europa für und mit den Menschen. Wir müssen uns in Europa zuhause fühlen, ganz Europa als Heimat betrachten. Das wird Zeit brauchen, wenn ein vereintes Europa, - der Zusammenschluss der europäischen Nationen und Völker -, nicht nur Lebenstraum sondern Wirklichkeit werden soll.

Und wir dürfen unsere Geschichte nicht aus dem Blick lassen. Denn ich glaube, in der Geschichte der Staufer steckt viel Wegweisendes und Kraft für die Zukunft Europas!

Beim Schreiben des Buches fiel mir auf, dass diese Kleinstaaterei, welche zur dieser historischen Zeit herrschte, ständig zu Krieg und Auseinandersetzungen führte. Deshalb gelangte ich bei meiner Arbeit zu der Überzeugung, dass unser heutiges Europa als Friedensgarant sehr wichtig ist, wenn wir nicht zu diesen Auseinandersetzungen der Vergangenheit zurückkehren möchten. Aus diesem Grund habe ich „Stauferkind“ auch Europa gewidmet.

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19.10.2017 | 521 Aufrufe