Der Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Rainer Wieland, bei der Uni der Generationen (mit Video).

NWZ / Constantin Fetzer 29.11.17: Keine großen Überraschungen, aber viele Argumente für die europäische Idee hat Rainer Wieland zu seiner Vorlesung bei der Uni der Generationen an der Hochschule mit im Gepäck gehabt. Wie sollte es auch anders sein, ist er doch seit 2009 Vizepräsident des Europäischen Parlaments und war schon zuvor engagierter Europaabgeordneter und Mitglied in der Europaunion.

In seinem Vortrag fragt Wieland „Haben wir noch eine gemeinsame Zukunft?“ Seine Antwort: Ja – einfach auch, weil man eine gemeinsame Zukunft haben muss. „Die Geschichte hat uns gelehrt, dass wir mit allen Alternativen schlechter gefahren sind.“ Das friedliche Zusammenleben sei nur durch eine starke Gemeinschaft zu machen, die sich einig ist – auch wenn es manchmal Krisen und Diskussionen gibt.


Eine starke Gemeinschaft sei aber auch für die Wirtschaft wichtig, findet Wieland. Deutschland alleine sei international zu klein, um Industriestandards zu bestimmen. China und Amerika seien hier die Platzhirsche. Darum sei es wichtig, dass Europa mit starker Stimme bei internationalen Verhandlungen mit dabei ist. „Wir müssen mit am Tisch sitzen, sonst stehen wir auf der Speisekarte“, sagt er bewusst markig – wie er auch viele seiner anderen Positionen mit überspitzten Beispielen darstellt.


Rainer Wieland spricht frei, nur selten mit kurzem Blick auf seine Notizen – er hält den Vortrag offensichtlich nicht zum ersten Mal, auch wenn er am Anfang etwas braucht, um auf die großen und kleinen Themen zu kommen, die das Publikum hören will. Er spricht von der Bürokratie, die in Europa längst nicht so schlimm sei, wie alle sagen. Auch die Kontrollwut, die europäischen Beamten oft unterstellt wird, gebe es so nicht. Dass die EU mal die Form von Gurken vorgegeben hatte – nur ein böses Beispiel, das Kritiker vorhalten. Längst sei diese Vorgabe abgeschafft.


Auch andere Beispiele argumentierte der Vizepräsident unterhaltsam weg, schließlich sei alles im Sinne des Verbraucherschutzes. Und: Das mit den Gurken stand ohnehin einst schon in der Reichsgemüseverordnung von 1902. Also alles halb so wild, die Deutschen sollten „viel öfter locker bleiben“ und sich nicht als grantelnde Nation geben, die alles negativ sieht. In Europa herrsche Wohlstand, Sicherheit und Frieden, betont der Politiker. Dass in der EU diskutiert wird – manchmal auch über Kleinigkeiten – müsse man verstehen. Schließlich gibt es verschiedene Prioritäten, Kulturen und Interessen, die man in Brüssel unter einen Hut bringen müsste. „Gar nicht so einfach“, berichtet er.


Erst in der anschließenden Diskussionsrunde nahm Wieland sich die Zeit, die europäische Flüchtlingspolitik im globalen Kontext zu umreißen. Seine Kernaussage: „Wir haben als Europa zu lange weggeschaut, was bei unseren Nachbarn passiert“ – darum müsse man die Last nun in vielfacher Form tragen. Aber auch hier müsse es eine europäische Lösung geben, weil diese große Herausforderung von einem Staat alleine nicht gestemmt werden könne

 

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29.11.2017 | 184 Aufrufe