NWZ / Heike Siegemund Bewegung: Am verkaufsoffenen Sonntag versammelten sich mehr als 200 Menschen, um für Europa Flagge zu zeigen. Es war eine bewegende Kundgebung.

Das Leben pulsierte am gestrigen Sonntag in Geislingen: Nicht nur, dass der verkaufsoffene Sonntag zahlreiche Menschen bei bestem Frühlingswetter in die Fünftälerstadt lockte. Auch zur Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ kamen mehr als 200 Menschen, die für ein geeintes und demokratisches Europa stehen und die fahnenschwenkend vor dem Geislinger Rathaus für Europa Flagge zeigten.

Es war eine bewegende Kundgebung, die auf Anregung der GEISLINGER ZEITUNG von der Europa-Union unter dem Vorsitz von Wangens Bürgermeister Daniel Frey organisiert worden war. Die Initiatoren hatten Textblätter verteilt, und so sangen die Demonstranten zum Abschluss der einstündigen Veranstaltung voller Inbrunst die Europa-Hymne: „Freude, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium…“, schallte es durch die Fußgängerzone. Den Ton gaben dabei die „Stadtratten“ um Bernhard Lehle, Bettina Maschke und Roland Funk, Stefan Wich und Susanne Gmelin von der Städtischen Musikschule sowie Ottmar Dörrer an.

Zuvor hatten mehrere Redner betont, wie wichtig es im Hinblick auf die derzeitigen weltpolitischen Herausforderungen sei, sich für ein gemeinsames Europa stark zu machen. Stolz ob der vielen Leute, die den Puls Europas in Geislingen schlagen ließen, war GZ-Redaktionsleiter Michael Rahnefeld. Von Geislingen müssten positive Nachrichten ausgehen, habe Oberbürgermeister Frank Dehmer gefordert. „Dies geschieht am heutigen Tag“, freute sich Rahnefeld. Er ermunterte die Zuhörer: „Treten Sie für Europa ein, wo immer sich die Gelegenheit bietet, damit uns lange der Frieden erhalten bleibt.“

„Stolz und sehr bewegt“ zeigte sich auch Daniel Frey. Ihn begeistere es, dass sich dieser Tage so viele Menschen in unterschiedlichen Städten auf Marktplätzen versammelten, um ein Zeichen für Europa zu setzen. „Wir zeigen, dass wir nicht länger die schweigende Mehrheit sind. Wir wollen ein buntes und gemeinsames Europa“, rief der Wangener Bürgermeister den Demonstranten zu.

„Die Menschen machen sich Sorgen über die weitere Entwicklung“, gab Landrat Edgar Wolff zu bedenken. Die 27 Staaten der EU seien sich in Bereichen wie der Flüchtlingsunterbringung uneins und zeigten sich nicht solidarisch. Darüber hinaus erstarke der Populismus. Trotzdem müsse man sich bewusstmachen, welch‘ hohen Stellenwert Europa habe – gerade in diesem Jahr, in dem die EU ihren 60. Geburtstag feiere. „Europa ist das größte Friedens- und Freiheitsprojekt“, betonte der Landrat. „Heute setzen wir von Geislingen aus ein laut hör- und sichtbares Signal für Europa.“

Geislingens Oberbürgermeister Frank Dehmer betonte, dass es nicht selbstverständlich sei, an einem verkaufsoffenen Sonntag auch ein politisches Statement abgeben zu können. Er freute sich darüber, dass der Sterneverein die Aktion unterstützte und dass so manche Geschäftsinhaber ihre Läden mit Europafähnchen geschmückt hatten.

„Was wir hier heute sehen und erleben, ist eine wichtige Botschaft“, verdeutlichte auch die CDU-Landtagsabgeordnete Nicole Razavi. Es sei nicht selbstverständlich, dass so viele Menschen für Europa auf die Straße gehen. Angetan zeigte sich die Politikerin auch von den Plakaten der Demonstranten, auf denen zum Beispiel zu lesen war: „Gutes entsteht aus Freundschaft – Böses entsteht aus Fanatismus“.

Ans Mikrofon trat auch ein 17 Jahre alter Schüler aus Deggingen: Nicolas Knoblauch hatte sein Buch „Stauferkind“ Europa gewidmet und gehört beim Wettbewerb des Landes „Rede für Europa“ zu den diesjährigen Preisträgern. „Wir brauchen ein Europa der Menschen“, sagte er und forderte: „Das Herz Europas muss weiter schlagen – stärker als je zuvor.“

 

10.04.2017 | 126 Aufrufe